Grüße aus der weihnachtlichen familiären Quarantäne (von Olga Demberger)


Weihnachten in einer Großfamilie ist jedes Jahr ein aufwändiges Planungsprojekt, bis man alle Befindlichkeiten irgendwie unter einen Hut gebracht hat und möglichst dafür gesorgt hat, dass es dann kurz vor der Bescherung nicht zum Austausch der aufgestauten Gefühle kommt, je nach Temperament der jeweiligen Familie. Wenn dann alles bis ins das kleinste Detail durchdacht ist, konnte einem in diesem Corona-Weihnachten ja nur noch ein positiver Corona-Schnelltest einen Strich durch die Rechnung machen. Genau so musste es bei uns kommen.


Am Abend des 23. Dezembers saßen wir mit offenem Mund da und konnten einfach nicht glauben, dass einer unserer fünf Schnelltests unserer Familie tatsächlich ein positives Ergebnis anzeigte. Schnell wurde noch mit der Medizinerschwester telefoniert, ob es einen falschen Positivtest ähnlich einem irreführenden Schwangerschaftsergebnis geben könne. In unserem Fall bedeutete es jedoch, dass ein Familienmitglied oder vielleicht sogar alle von Corona betroffen sind.


Man würde sich vielleicht denken, dass jetzt alle meine vier Nerds – ich lebe mit einem Physiker als Ehemann und drei Söhnen, die ihren Papa vergöttern, zusammen - am Boden zerstört waren und dem Großfamilienweihnachten unter Corona-Bedingungen nachtrauerten. Dem war nicht so! Kurzerhand wurde ein Weihnachtsbaum improvisiert, indem mehrere Hocker aufeinandergestapelt, mit einer grünen Decke bedeckt und einigen Lego-Figuren sowie einer Lichterkette beklebt wurden. Damit waren meine Kinder überglücklich, dass Weihnachten gerettet wurde. Unsere Nordmanntanne haben wir zwei Tage vor Weihnachten nach Karlsruhe gefahren, wo die eigentliche Feier stattfinden sollte. Sie wartet da noch immer auf uns;-)



An Weihnachten selbst ging es dann an die Durchführung des Nerd-Weihnachten. Nachdem plötzlich das Geschenkpapier ausgegangen ist, wir unser Grundstück nicht verlassen durften, da wir ab dem 23. Dezember ohne Weihnachtseinkäufe in Quarantäne saßen und wir niemanden wegen solcher Nebensächlichkeit fragen wollten, kam unser kleiner Kreativmeister auf die Idee, die restlichen Geschenke in rote Handtücher einzuwickeln. Es sei ja sowieso auch umweltfreundlicher. Recht hat er. Als Weihnachtsessen gab es Pizza, welch ein Segen. Schnell gemacht, schnell aufgeräumt, kein stundenlanges Stehen in der Küche. Dies haben meine Männer noch nie verstanden, warum ausgerechnet vor Weihnachten eine Grundreinigung des Hauses stattfinden und warum fast den ganzen Tag gekocht werden musste. Das ewige Singen vor dem Baum fiel auch aus, sodass die Geschenke schneller ausgepackt und bespielt werden konnten. Fragt man die Jungs, wie sie Weihnachten fanden, kommt von allen dreien die Antwort: „Toll!“ Da bin ich als Mama aber erleichtert!


Unser Alltag in der Quarantäne ist schnell beschrieben, die Jungs freuen sich ihres Lebens, da sie ihre neue X-Box bespielen dürfen, und zwar mehr, als wenn wir nicht ans Haus gebunden wären und jetzt alle Verwandten besuchen würden. Ansonsten leben wir mehr oder weniger in den Tag hinein. Es gibt Minimalziele wie Essen kochen, Wäsche waschen, staubsaugen und die Küche aufräumen. Ansonsten geht jeder mehr oder weniger seinen Lieblingsbeschäftigungen nach. Als ich bei einem Telefonat mit einer Freundin erwähnte, dass ich bis um 5 Uhr morgens eine neue Serie durchge-binge-watched habe, war sie froh, dies zu hören. Es passiert ihr auch immer wieder, denn als Mama hat man nie Freizeit, außer spät abends und in der Nacht. Spazieren gehen gestaltet sich bei uns auch lustig. Wir laufen etliche Runden in unserem Garten um unser Haus. Manchmal wechseln wir die Richtung. Die Nachbarn denken sich ihren Teil.



Zum Glück der Kinder hat es vor fünf Tagen geschneit, sodass sie sich lieber an ihrem Iglu auspowern, anstatt mit uns ums Haus zu laufen. Die einzige geistige Herausforderung ist das Einkaufen. Man kann nicht spontan ins Geschäft fahren und beim Bestellwunsch bei hilfsbereiten Freunden ist es leider so, dass man nicht immer an alles denkt. Deshalb werden wir immer kreativer beim Kochen aber auch wertschätzender beim Essen. Gestern ist das Backpapier ausgegangen, also backen wir das Brot ohne. Hat man in Russland früher immer so gemacht, denn es gab da keins, so meine Mutter. Bis Dienstag haben wir nur noch anderthalb Liter Milch, also gibt es statt heißer Schoki jetzt Tee mit Honig zum Frühstück. Jeder Joghurt wird geschätzt und gründlich ausgekratzt und es werden keine Lebensmittel weggeworfen.



Mein Fazit unserer Quarantäne: Sie trägt definitiv zum Überdenken der eigenen Einstellung zum Essen bei.


Morgen werden wir noch einen Corona-Test machen und ich hoffe, dass es diesmal keine positiven Überraschungen gibt. Ich sehne mich schon so sehr danach, unsere Standardspazierrunde über die Felder zu laufen. Zu Lockdownzeiten kommt sie mir immer unglaublich öde vor, doch jetzt, mit der Erfahrung der Quarantäne, fühlt sich die Vorstellung wie eine große Freiheit an.


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