Weihnachten neu aufgelegt oder: Traditionelles im neuen Gewand (von Kristin Peschutter)

Das Corona-Jahr ist das dritte Jahr in Folge, in welchem ich das Weihnachtsfest (fast) alleine mit meinen beiden Töchtern verbringe. Ich bin sehr dankbar, dass sie diesen Heiligabend bei mir feiern dürfen und erst nächstes Jahr an Heiligabend wieder bei ihrem Vater sind. Wir sind alle drei ein eingespieltes Team, ich bin seit zehn Jahren geschieden und langsam fühlt es sich normal an. Da wir drei gerne alleine sind und Ruhe genießen, stellt es für uns keine Überwindung dar. Dennoch fühlt es sich gesamtgesellschaftlich betrachtet - von Corona abgesehen - seltsam an, damit zufrieden sein und dies aushalten zu können und auch zu wollen - andererseits: Was bleibt uns auch anderes übrig? Die beiden letzten Jahre hatten wir sogar einen Sprachschüler bei uns, der mit uns gefeiert hat. Auch hier gilt es Kompromisse einzugehen und sich um einen Gast zu kümmern - weshalb wir dieses Jahr als sehr entspannt und unaufgeregt erlebt haben.



Dieses Jahr findet nun unser erstes nicht-Traditionelles und vegetarisches Christmas zu dritt statt. Für unser Dreigespann stellt es einen Luxus dar, für verschiedene Gerichte eingekauft zu haben, sich trotz Essensplan und Streit darüber bis an Heiligabend selbst offenhalten zu können, was genau wir eigentlich wann und in welcher Reihenfolge essen möchten. Eine nicht gekannte Freiheit, sich dieses Jahr nicht an Traditionen halten zu müssen oder gar zu können, da ich inzwischen meist vegan und meine große Tochter vegetarisch isst - wobei ich für eine bisher jährlich verzehrte Weihnachtsgans dafür gerne eine Ausnahme gemacht hätte - wenn nicht meiner 14-jährigen Tochter schon beim Geruch von Fleisch schlecht werden würde, sodass mit der sich obligatorisch anschließenden ethischen Fleischkonsum-Diskussion auch die leckerste Kruste nicht mehr schmecken würde, Bio-Gans hin oder her. Meine 12-jährige Tochter, noch dem Traditionellen verhaftet und dieses Weihnachten endgültig aus der Verzauberung der Kindheit gerissen, wagte hingegen mehrere wütende Versuche und bestand auf einem kleinen Hähnchen - jedoch bitte nicht selbstgemacht und auf keinen Fall bio - einfach von der Hähnchenbude um die Ecke am Discounter. Es dauerte mehrere Anläufe und Diskussionen, sie davon zu überzeugen, dass diese aus coronabedingten Umständen momentan geschlossen und wir bereits in den Metzgereien der Stadt nachgeschaut hätten.



Also entschlossen sich beide Schwestern am Vormittag des 24. Dezember spontan, eine klassische Creme brulée zu machen und zum Mittag aus dem übrig gebliebenen Eiweiß das daraus resultierende Omlett mit einer Creme brulée als Nachtisch zu essen. Glücklich streuten beide Zucker in beliebiger Häufung auf ihre Förmchen, flambierten es und begannen zu löffeln. Nach der Hälfte verkündeten sie, sie seien jetzt satt und können nicht mehr - es sei zu süß und zu gehaltvoll ob der acht Eier und des 3/4 Liters Sahne, dessen sie beides ob unserer meist veganen Küche trotz ihres ausgesprochenen Genusses nicht mehr gewohnt sind. Infolge erklärten sie sich mit meiner veganen Variante einverstanden, die wir in den kommenden Tagen zubereiten werden. Mal schauen, ob wir den Unterschied schmecken.



Ich hingegen bereitete mir mittags eine Kokossuppe im neuen Theromix zu, die mich glücklich machte. Für abends hatten sich beide auf Raclette geeinigt, das wir alle drei gerne essen. Letzten Endes hat meine jüngere Tochter sogar noch ihre (bio-) Salami für ihre Raclette-Pfännchen bekommen - und wir sind um gelebte Vielfalt, neue Sichtweisen und dem Gefühl, auch an diesem gewichtigen Fest frei und situativ angemessen entscheiden und neue Traditionen mitbegründen zu können, wonach uns wann gerade is(s)t, reicher.




P.S. Beide Creme-brulée-Varianten und die Kokossuppe finden den Rezept-Weg in den Blog.


Fortsetzung unserer Lieblings-Christmas-Gerichte folgt!


Infolge stellen einige Freunde ihre Weihnachtserlebnisse oder Weihnachtsgerichte vor - womit ich gerne für das 2021 eine neue Plattform des gemeinsamen Schreibens und Austausches begründen möchte. Wie erlebt der Einzelne die gleichen Ereignisse situativ anders? Wie leben wir Work-Life-Balance ab Anfang 40? Wie vereinbaren wir Patchwork, Metime, Hobbies - oder gar alternative Lebenskonzepte?


Wie hast du dieses Weihnachten erlebt? Schreibe uns gerne dein Weihnachtserlebnis in den Kommentaren auf dem Blog, auf Instagram oder Facebook. Wir freuen uns auf dich!


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Deine Kristin

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